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Die Fahne des Großherzogtums Baden

"Badener sind vor allem dann Badener, wenn sie nördlich des Mains für Schwaben gehalten werden". Das besagt ein bezeichnendes Zitat von Amadeus Siebenpunkt, dem Verfasser von "Deutschland, deine Badener". Diese wenigen Worte widerspiegeln treffend die Lebenseinstellung und Identität des Badeners. Reibungspunkte und unterschiedliche Interpretation von geschichtlichen Ereignissen bestimmen auch heute noch das Miteinander von Schwaben und Badenern. Viele Badener blicken mit Stolz auf diese goldene Epoche des Fortschritts und der politischen Souveränität. Stolz gehisst findet man sie sogar am Ferienhaus auf Mallorca oder vor der Ferienwohnung in Westerland auf Sylt.

Die Flagge des Großherzogtums versinnbildlicht bis heute diesen historischen bedeutsamen Abschnitt süddeutscher Geschichte und die Flagge wird gern noch gehisst bei besonderen Anlässen. Wer auf keinen besonderen Anlass warten möchte, findet die Farben der badischen Großherzöge heute auf zahlreichen Gebrauchsgegenständen. Es gibt unter anderem badische Stulpen, Regenschirme, Gürtel und Hosenträger. Die rotgelbe Flagge mit ihren eindrucksvollen Greifen bleibt sicher weiter Bestandteil des badischen Selbstbewusstseins. Die Landesflagge des heutigen Bundeslandes Baden-Württemberg in den Farben Schwarzgold hat nichts gemein mit der Flagge des ehemaligen Großherzogtums Baden. Die historische Flagge unterscheidet sich in Farbgestaltung und Details ganz erheblich von der zeitgenössischen Dienstflagge. In plakativem Gelb und Rot leuchtet die beeindruckende Flagge der Badener. Was sie so beeindruckend macht, ist die Ausdrucksstärke und Körpersprache der beiden darauf abgebildeten Wappentiere.

Es handelt sich bei ihnen um eine Art Mischwesen aus Greifvogel und Drachen. Die beiden Fabelwesen scheinen ein Team zu bilden. Sie halten gemeinsam das rotgelbe Wappen der badischen Großherzöge empor. Auf dem Wappen selbst ruht eine mächtige Krone. Auch sie ist in den Farben Rot und Gelb gehalten. Beide Greife scheinen es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, dieses Wappen und die dazugehörige Krone notfalls mit ihrem Leben zu verteidigen. Die Geschöpfe tragen selbst jeweils ein kleines Krönchen auf ihren Häuptern. Das Wappen verteidigend zwischen ihren Pranken, blickt jeder von ihnen mit lauerndem Ausdruck über seine Schulter nach hinten. Sie wirken, als wollten sie sich versichern, dass kein Eindringling, weder von links noch von rechts, der zu beschützenden Krone habhaft werden kann. Beide Greife haben ihre Münder in aggressiver Weise aufgesperrt und man erwartet beinahe, dass einer von ihnen jederzeit eine Salve Feuer ausspeien könnte, wenn man sich zu nahe an ihren Schatz wagt. Die Schwingen beider Wesen sind angespannt. Ihre mit kräftigen Krallen versehenen Füße verharren in einer jederzeit sprungbereiten Position.

Wie Karatekämpfer stehen die Greife in einer Art Ausfallschritt mit angespannten Beinmuskeln bereit. Bereit sein für alles, diesen Eindruck vermitteln die beiden Gesellen dem Betrachter. Man möchte sich lieber nicht mit ihnen anlegen müssen. Angesichts dieser Entschlossenheit und Kraft wird ein Angreifer zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Es ist ein beeindruckendes Bild, das sich dem Beobachter einprägt. Sogar Wer ist dieser Badener, der bis heute von der Liebe zu seiner Heimat und seinen Traditionen bestimmt wird? Was macht ihn aus? Aus welcher Landschaft kommt er eigentlich? Die Schriftsteller Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen und Martin Walser, der Bundestrainer Joachim Löw, der große Carl Benz, der unwiderstehliche Schwarzwälder Bollenhut und die eigenwillige "Buurefaasned", die stets am Donnerstag nach Aschermittwoch beginnt, sie alle haben etwas gemeinsam. In allen sehr unterschiedlichen Fällen handelt es sich um waschechte Badener Originale oder Badener Traditionen. Dem badischen Menschen ist die charmante Gabe einer unnachahmlichen Mundart zuteilgeworden. Badisch wird gut und gerne gesprochen in den Regionen von Karlsruhe, Rastatt und Pforzheim und der Dialekt erstreckt sich bis in die alemannischen Tiefen Südbadens. Dieser Sprachschatz ist ein ergiebiger Quell für regionale TV-Produktionen und sagt viel aus über eine eigenständige Lebensart und eine originelle kulturelle Identität.

Baden, so wie es sich heute topografisch präsentiert und damit auch großenteils das historische Großherzogtum Baden, nimmt und nahm einen großen Anteil der oberrheinischen Tiefebene im Südwesten Deutschlands geografisch für sich in Anspruch. Im Westen verläuft die Grenze zum Elsass. Baden reicht im Süden bis an die Grenze der Schweiz, berührt die Gestade des Bodensees und grenzt am heutigen Tag an die beiden Bundesländer Bayern und Hessen. Baden und Württemberg bildeten nicht immer eine Union, sie sind zusammengefügt worden. Das heutige Bundesland Baden-Württemberg existiert in seiner aktuellen Form erst seit einer Volksabstimmung im Jahre 1970. Die Abgrenzung zu Württemberg wurde damit neu definiert und bis zum heutigen Tag sorgt die Aufhebung der Souveränität für bisweilen heitere, aber auch ernsthaftere Dispute, innerhalb der Bevölkerung und kommunaler Einrichtungen. Das Land Baden, so wie es sich bis heute in seiner ungewöhnlichen Form und geografischen Lage präsentiert, geht zurück auf die Zeit der Napoleonischen Kriege. Der kleine Korse mit dem unwiderstehlichen Drang zu Eroberung und Macht leistete der Entstehung des Großherzogtums und der Geburt des fortschrittlichen Badens beträchtliche Schützenhilfe. Sigismund Freiherr von Breitensteins Taktieren und einem großen Verhandlungsgeschick mit den Gesandten Napoleons gebührt ebenfalls ein durchbrechender Erfolg bei den politischen Neuordnungen der Region im Jahre 1803. Das Großherzogtum, also somit auch die jüngere historische Erfolgsgeschichte Badens, geht zurück auf den Zeitraum von 1806 bis 1871. Danach, bis zum Jahr 1918 war Baden eine konstitutionelle Monarchie.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. März 2011 um 15:58 Uhr
 
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